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Vereinbarungen im Bereich Altenpflege bei den jetzigen Koalitionsverhandlungen sind unzureichend

04. Feb. 2018
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Tags: Pflege, Pflegenotstand, Koalitionsvereinbarung
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Author: Frank Bergs

Die mögliche neue GroKo, bestehend aus CDU, CSU und SPD, haben in ihren Koalitionsverhandlungen im Bereich Gesundheit und Pflege im Koalitionspapier festgelegt, dass im Bereich der Altenpflege sofort 8000 neue Pflegestellen geschaffen werden sollen.

Darüber hinaus möchte man mit einer Ausbildungsoffensive und Anreizen für mehr Vollzeit die bestehende  Personalsituation entspannen. Nachts sollen Heime tendenziell mehr Personal bereitstellen. Eine bessere, gleichmäßigere Bezahlung soll es durch flächendeckende Tarifverträge und eine Angleichung des Pflegemindestlohns in Ost und West geben. Die Angebote für Pflegepausen für Angehörige (Kurzzeit-, Verhinderungs-, Tages- und Nachtpflege) sollen zu einem flexiblen jährlichen Entlastungsbudget zusammengefasst werden. Soweit der bestehende Entwurf der wohl zukünftigen Koalitionspartner, wenn hoffentlich am diesem Wochenende eine Regierungsentscheidung getroffen wird.

Diese beschlossene Zahl zur Aufstockung der Pflegekräfte in Altenheimen entspricht aber nicht den Zahlen, die eigentlich notwendig wären, um hier Entlastung zu schaffen. Glaubt man den aktuellen Statistiken, dann haben wir schon heute einen aktuellen Pflegenotstand, der sich in städtischen Regionen auf bis zu 50% fehlende Pflegekräfte im stationären und ambulanten Bereich hochsummiert. Das statistische Bundesamt DESTATIS hat ermittelt, dass die Zahl der Pflegebedürftigen sich um fast 9% pro Jahr erhöht. Nehmen wir nur mal die Anzahl der über 80-jährigen Personen, dann steigt die Anzahl dieser Personengruppe bis 2030, laut Studien der Bertelsmann Stiftung, um fast 100% und in den städtischen Ballungsräumen immerhin um fast 40%. Daher ermittelt die Bertelsmann Stiftung am Beispiel von Nordrhein-Westfalen eine Versorgungslücke von fast 41% in der ambulanten Pflege für den Zeitraum der nächsten 12 Jahre.

Mir kommen daher die Vereinbarungen in den Koalitionsverhandlungen wie ein schlechter Witz vor, denn sie entsprechen bei weitem nicht den Anforderungen in der stationären und ambulanten Pflege. Außerdem haben die Fachleute innerhalb der GroKo-Verhandlungen auch nicht bedacht, dass die Zahl der chronisch Erkrankten, die auch ambulant pflegebedürftig sind, weiter rasant steigt.

Ich kann aus meiner persönlichen Sicht leider nur sagen: "Thema verfehlt, setzen, sechs!" Man rühmt sich in den Medien, was man tolles in den gemeinsamen GroKo-Verhandlungen erreicht hat, und tröpfelt nur ein paar Tropfen auf "den heißen Stein". Wenn das alles sein soll im Bereich der Pflege, dann gute Nacht liebes Deutschland. Aber dies ist ja nur das Verhandlungspapier zum Beschluss einer möglichen GroKo aus CDU, CSU und SPD. Lasst uns abwarten, was da sonst noch kommt. Ich lasse mich gerne positiv überraschen.

 

 

Quellen:

Quelle Text: dpa; Artikel in Health&Care Management; DESTATIS; Bertelsmann Stiftung;

Quelle Bild: https://www.pexels.com/de/foto/alt-finger-hande-matthias-zomer-233227/

Frank Bergs
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