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Gesundheitskarte: Gibt es bessere Alternativen?

05. Jun. 2018
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Tags: Gesundheitskarte, elektronische Patientenakte, Digitalisierung
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Author: Frank Bergs

Erst vor Tagen wurde öffentlich, dass Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU)  als Alternative zur elektronischen Gesundheitskarte nach einer einfachen Lösung für das Handy sucht.

Laut Informationen der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" äußerte sich Spahn, dass die elektronische Gesundheitskarte nicht die attraktivste Lösung für Patienten sei, um Zugang zu ihren Gesundheitsdaten zu bekommen. Wenn man bedenkt, dass die Entwicklung der Gesundheitskarte schon rund eine Milliarde Euro gekostet hat, dann hat diese Aussage schon eine Menge Sprengstoff in der politischen Landschaft. Zudem hat Spahn die Vorstellung, dass die Digitalisierung des Gesundheitswesens mit dem elektronischen Bürgerportal koordiniert werden soll, was zur Zeit von der Bundesregierung geplant ist.

Schon seit einiger Zeit hat parallel zur elektronischen Gesundheitskarte eine Entwicklung zur elektronischen Patientenakte stattgefunden, die eigentliche „Königsdisziplin“ unter den E-Health-Anwendungen. Zur Zeit konkurrieren eine Vielzahl von Aktenmodellen und –initiativen um die Gunst der Nutzer. Doch nur wenige Modelle sind auch schon erfolgreich im Klinikalltag integriert. Fachexperten der Branche weisen schon seit Jahren darauf hin, dass eine elektronische Gesundheitskarte nicht die Prozesse so vereinfachen kann, wie gewünscht. Der Karte sind einfach technische Grenzen gesetzt, die zwar von vielen Akteuren gesehen, aber häufig auch politisch gewollt ignoriert wurden. 

So sind insbesondere die Krankenkassen dabei eigene Lösungen entwickeln zu lassen, um ihren Patienten einrichtungsübergreifende Services bieten zu können und zudem in ihrer eigenen Organisation Prozesse zu verschlanken. Das Hamburger Unternehmen vitabook setzt alternativ hierzu auf eine eigene Lösung, die die Hoheit der Daten in die Hand der Patienten gibt und unabhängig von Kassenlösungen agieren kann. Aus meiner persönlichen Sicht die bessere Alternative.

Einrichtungsübergreifende Elektronische Patientenakten (ePA) oder Gesundheitskonten sind der zentrale digitale technologische Hebel für mehr Kooperation und Transparenz im Gesundheitswesen. Es wird also Zeit, dass auf Bundesebene alle jetzigen Akteure auf dem Markt sich koordiniert austauschen, wie und wann welche Lösung als möglicher Ersatz der elektronischen Gesundheitskarte zum Tragen kommen könnte. Minister Spahn ist jetzt gefordert seinen Aussagen auch Taten folgen zu lassen. Ein wichtiger Entschluss könnte sein, dass man die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte stoppt und sich innerhalb der Gematik darauf konzentriert, mit welchen schon jetzt vorhandenen elektronischen Alternativen man partnerschaftlich an einer einheitlichen und bundesweiten Lösung einer elektronischen Patientenakte arbeiten kann. Dazu gehört es auch den Bundesbürgern klarzumachen, warum man in den letzten Jahren schon über 1 Milliarde Steuergelder verpulvert hat in Lösungsansätze, die schon vor Jahren von Kritikern als zweite Wahl angesehen wurden. Besser jetzt als nie den Ausstieg machen. Aber man hat ja auch Wählerstimmen und sein Gesicht zu verlieren. Einfach wird es also nicht. Und nur,  wie von Spahn geäußert, eine einfache Lösung als Alternative für das Handy zu finden, wird auch nicht reichen. Ein paar Scherzbolde reden schon darüber doch als Alternative den Patienten einen USB-Stick als Ersatz für die elektronische Gesundheitskarte zu geben. Vielleicht holt man ja noch bald die gute Floppy-Disk wieder aus dem Keller und steckt sie in den hauseigenen C64 Computer. Bei aller Ironie sollten man den Ernst der Lage nicht verkennen und damit aufhören, dass jede Institution (Krankenkassen, Klinikgruppen, IT-Unternehmen der Branche, Behörden etc.) an einer Eigenentwicklung bastelt und damit auch nicht zielführend das gesellschaftliche Problem in einem komplexen Gesundheitswesen löst, aber in einer freien Marktwirtschaft wird sich irgendwann dann doch die beste Lösung durchsetzen. Schade nur um die Steuermillionen...

Quellen:

Quelle Bild: https://www.pexels.com/photo/analysis-blackboard-board-bubble-355952/

Frank Bergs
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