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Ergebnisstudie: Vorteile durch Telemedizin werden in Frage gestellt

12. Sep. 2017
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Tags: Telemedizin, Telehealth, e-Visit
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Author: Frank Bergs

In einer lang angelegten Studie hat die University of Wisconsin über 5 Jahre gut 100.000 Patienten gemonitort, die über Videokonferenzen und sogenannte e-Visits mit ihren Ärzten in Kontakt getreten sind. Rund 90 Ärzte haben bei dieser Studie ihre Ergebnisse zusammengetragen. Dabei wurde festgestellt, dass e-Visits grundsätzlich ein guter Weg sind, um Zeit und Geld zu sparen. Routinemäßige Fragen der Patienten können schnell abgehandelt, unnötige Praxistermine vermieden werden. Aber das Gesundheitswesen ist sehr komplex und Patienten haben bei der elektronischen Konsultation häufig überreagiert, da sie die Aussagen der Ärzte nicht richtig aus der Ferne interpretiert haben. Zudem hatten die Ärzte öfters das Gefühl, dass sie die Patienten trotz Videokonsultation einbestellen mussten. So führte das gemonitorte Projekt nicht zu Kosteneinsparungen, sondern in Summe zu Mehrausgaben. Aber so einfach wie die Wissenschaftler der University of Wisconsin es sich gemacht haben, ist das ganze Thema nicht. Daher gehöre ich auch zu den kritischen Stimmen, die der Studie ein wenig Populismus vorwerfen. Um die Vor- und Nachteile von telemedizinischen Diensten genauer zu erkennen, sollte man im Vorfeld einer Langzeitbetrachtung sowohl die vorhandenen technischen Infrastrukturen als auch die Personengruppe, die diese Leistungen nutzen, klar eingrenzen und kanalisieren. Eine Pauschalaussage zu treffen, dass diese Langzeitbeobachtung nicht die Vorteile für Patienten und Ärzte bzw. die Kostenträger gebracht hat, ist schlichtweg unseriös. Telemedizin ist mehr als e-Visits und Videokonferencing. Telemedizin ist insbesondere dort gut aufgehoben, wo chronisch kranke Menschen kontinuierlich überwacht werden müssen und wo die ländlische Bevölkerung lange Wege zu Ärtzten in Kauf nehmen muss, um ein schnelle Abklärung ihrer Gesundheitsprobleme zu bekommen. Dazu gehört dann aber auch die entsprechende technische Infrastruktur, die vielerorts leider nicht vorhanden ist. So würde ich die ganze Diskussion eher unter dem Gesichtspunkt führen: "Wann kommt denn endlich die elektronische Gesundheitskarte und wie schnell lassen sich elektronische Übermittlungsstandards von Medizingeräten datensicher in elektronische Gesundheitsakten übertragen?" Denn die dadurch entstehenden Synergieeffekte werden dem Gesundheitssystem ohne wenn und aber die Vorteile bringen, die man sich auch erhofft hat. Wir werden sehen. Vielleicht gibt es dazu ja bald auch eine Studie.

Quellen:

Quelle Bild: https://www.pexels.com/photo/adult-blur-business-commerce-374899/

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