Merken

Digitalisierung im Gesundheitswesen: Einsparpotenzial oder zusätzliche Kosten?

09. Oct. 2018
/
0 Kommentare
/
Tags: Digitalisierung, EPA, elektronische Gesundheitsakte
/
Author: Frank Bergs

Der Einsatz von digitalen Technologien im Gesundheitswesen soll die Gesundheits- und Versorgungskosten um 12% senken.

Das Beratungsunternehmen McKinsey&Company spricht von einer jährlichen Einsparung mit Hilfe von digitalen Technologien von bis zu 32 Mrd. Euro. Ein hohes Nutzenpotenzial sollen dabei die elektronische Patientenakte und elektronische Rezepte sowie webbasierte Interaktionen zwischen Arzt und Patient bieten.

Einig scheinen sich die Akteure alle zu sein, dass das größte Einsparpotential im Bereich Digitalisierung der Patientendaten zu finden ist. Aber auch da ist momentan die zu überwindende Hürde am höchsten. Wenn man mit den Verantwortlichen in der IT, der Materialwirtschaft und im Einkauf spricht, bedeutet dies aber zunächst für sehr viele Krankenhäuser, dass sie ein enormes Investment tätigen müssen um irgendwann in den Genuß von Einsparungen zu kommen. Wer diese Investitionskosten trägt, ist nur unzureichend geregelt. 

Dabei ist unstrittig, dass durch Entscheidungsunterstützung durch Datentransparenz, z.B. durch den Einsatz von Software, um Doppeluntersuchungen von Patienten zur vermeiden, viel Geld eingespart werden kann. Unnötige Krankenhauseinweisungen könnten vermieden werden, die Qualität der Folgebehandlungen würde erhöht.

Das eigentlich größte Einsparpotential liegt aber auf der Seite der Einführung einer einheitlichen elktronischen Gesundheitsakte, die laut McKinsey alleine 6,4 Mrd. Euro brächte. Dies macht aber nur dann Sinn, wenn die Patienten die Kontrolle über die Daten selbst in der Hand behalten und entscheiden können, welcher Arzt oder welches Krankenhaus darauf Zugriff bekommt.

Sieht man sich in Deutschland den Markt der freien Anbieter von ePA's mal an, stellt man fest, dass hier zur Zeit nur die Anbieter Vitabook und CGM unterwegs sind. Gleichzeitig haben einige Krankenkassen und Versicherer ihre eigenen Lösungen auf den Markt gebracht. In einer Umfrage der CompuGroup Medical wurde festgestellt, dass nur 2% der Ärzte eine staatliche ePA wollen. In einem Bericht des Zentrums für Telematik (ZTG) vom Juli 2018 äußert sich die Ärzteschaftauch zudem durchaus negativ zum Zugriff von Krankenkassen auf Praxisverwaltungssysteme von Ärzten. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und sämtliche Kassenärztlichen Vereinigungen (KV) erteilten hier in einer gemeinsamen Erklärung dem direkten Zugriff der Krankenkassen auf die Praxisverwaltungssysteme sowie dem Auslesen von Patientendaten eine „klare Absage“. Beide wollten „keine Systeme akzeptieren“, welche einen Eingriff in die Praxissysteme der Ärzte ermöglichen. Dies gelte auch für den Zugriff auf die sensiblen Daten von einem etwa beauftragten Dritten.

Eine schwierige Situation, die noch zusätzlich durch die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte und die schon in Milliardenhöhe ausgegebenen Gelder für die Entwicklung der Gesundheitskarte und deren Infrastruktur ausgegeben wurden.

Daher tun alle Beteiligte und auch das Beratungsunternehmen McKinsey gut daran sich nicht nur auf die Einsparpotentiale zu fokussieren, sondern auch mal den enormen Kostenaufwand zu betrachten, der mit der Digitalisierung verbunden ist.

Wenn dieser Aufwand durch den Gesetzgeber und die Kassen gestützt und vorfinanziert wird, lässt sich auch über Einsparungen reden. Nur ohne klares Konzept und eine für Deutschland einheitliche Vorgehensweise mit klarer Gestaltung der Rahmenbedingungen, laufen wir wieder unseren europäischen Nachbarstaaten hinterher. Freie Marktwirtschaft kann in diesem Fall auch mal hinderlich sein...

 

Quellen:

Quelle Text: https://www.mckinsey.de/news/presse/2018-09-27-digitalisierung-im-gesundheitswesen; https://www.ztg-nrw.de/2018/07/aerzte-wollen-direkten-zugriff-von-krankenkassen-auf-patientendaten-verhindern/

Quelle Bild: https://www.pexels.com/photo/doctor-pointing-at-tablet-laptop-1282308/

Frank Bergs
Soziale Kanäle des Authors
Hinterlasse einen Kommentar zum Beitrag