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Der Weg zum papierlosen Krankenhaus: Utopie oder schon bald Wirklichkeit?

07. Jun. 2018
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Tags: Papierlos, elektronische Patientenakte, Krankenhaus
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Author: Frank Bergs

Das papierlose Krankenhaus muss kein Wunschtraum sein, aber in der Realität sieht es so aus, dass noch viele Krankenhäuser weit weg sind von dieser Vision - Deutschland liegt leider immer noch beim Thema eHealth weit zurück.

Digitale Workflows entlasten Ärzte und Pflegekräfte und erlauben mehr Freiräume für die Patientenbetreuung, doch die Hürden sind bekanntermaßen sehr hoch. Datenschutzrechtliche Prüfungen in diversen Einrichtungen haben offenbart, dass es bei der Nutzung von elektronischen Patienakten zu Missbrauchsvorfällen kommen kann. Betrachtet man die konventionelle Patientenakte stellt man fest, dass sie zumeist an einem Ort liegt, von nur einer Person eingesehen werden kann und die Verbreitung der Patientendaten ungleich schwieriger ist. Die elektronische Patientenakte kann dagegen prinzipiell von sehr vielen Krankenhausmitarbeitern gleichzeitig gelesen, gespeichert, kopiert und übermittelt werden – auf Knopfdruck am Arbeitsplatz, ohne Aktensuche, Nachfragen, Transport, Durchsuchen usw. Das ist ihr Vorteil, gerade auch ihr medizinischer: sekundenschnelle, aktuelle, vollständige Informationen für die optimale Behandlung des Patienten. Was bleibt also zu tun und wer ist in diesem Prozess gefordert?

In erster Linie alle Soft- und Hardewarehersteller sowie der Gesetzgeber, der für die elektronische Patientenakte die gesetzlichen Weichen stellen muss. Wenn wir einen Blick auf andere Wirtschaftszweige werfen stellt man schnell fest, dass geschützte elektronische Datenübermittlungen schon seit Jahren Standard sind. Gute Beispiele hierfür sind das Online-Banking und die elektronischen Steuererklärungen, die man bequem auf Knopfdruck von seinem Heim-PC an die entsprechenden Institutionen übermitteln kann.

Betrachtet man das Krankenhaus mit seinen internen Strukturen und schließt man die angeschlossenen Institutionen mit ein muss man sagen, dass hier natürlich ein viel komplexeres Gebilde vorherrscht. Nicht zuletzt sind die Datenübertragungsstandards, die zugehörige Technik und die entsprechenden mannigfaltigen Soft- und Hardwarelösungen eine große Hürde.

Trotzdem bleibt der Weg zum papierlosen Krankenhaus keine Utopie, wenn das gesamte Krankenhaus eine klare IT-Strategie erarbeit, wie in Zukunft die Prozess- und Kommunikationsabläufe intern und extern sein sollen. Jede Abteilung sollte eine Methodik einrichten, die Diversität ermöglicht und hilft, Besonderheiten zu identifizieren, um die Einführung neuer IT-Lösungen zu ermöglichen und gleichzeitig vorhandene IT-Lösungen entsprechend anzupassen. Unabhängig welche Produkte ausgewählt werden, sollten diese alle offene Kommunikations- und Schnittstellenstandards haben und mit Zugriffsrechten und Verschlüsselungsmethoden den geforderten Datenschutz gewährleisten.

Einige Ärztenetzwerke in Deutschland erproben schon seit einiger Zeit auf regionaler Ebene, wie gute IT-Vernetzung und die gemeinschaftliche Nutzung einer ePA funktionieren kann. Der Vorteil einer gemeinsamen elektronischen Patientenakte sind hier: Die Daten lassen sich per Knopfdruck mit der eigenen Patientenkartei synchronisieren, und alle mitbehandelnden Ärzte sehen in Echtzeit, was andere Ärzte an Infos eingestellt haben. Schwierigkeiten sind zumeist da entstanden, wo Daten aus Praxis und Netzsoftware synchronisiert werden mussten, was in einer heterogenen IT-Landschaft nicht verwunderlich ist.

Und doch zeigen diese Beispiele, was zur Zeit schon alles möglich ist und wohin die Reise in einigen Jahren führen wird. Der Weg zum papierlosen Krankenhaus ist keine Utopie, aber eine Umstellung auf völliges papierloses Arbeiten kann nur realisiert werden, wenn eine langfristige IT-Strategie im Unternehmen vorhanden ist, die Mitarbeiter auf diesem Weg "mitgenommen" werden und auch die entsprechenden finanziellen Mittel vorhanden sind. Es bleibt also noch viel zu tun auf dem Weg dahin und manche Mitarbeiter werden sich fragen, ob papierloses Arbeiten Segen oder Fluch ist. Mit der geigneten Strategie kann sich jede Einrichtung diese Frage selber beantworten. Vor 20 Jahren konnte sich auch kein Mensch vorstellen, dass es klinische Informationssysteme gibt, die alle Patiendaten elektronisch verwalten. Der Anfang zur ePA und dem papierlosen Krankenhaus ist schon längst gemacht...

 

Quellen:

Quelle Text: Krankenhaus IT-Journal, Ausgabe 5/2009; Ärztezeitung - Bericht E-Patientenakte;

Quelle Bild: https://www.pexels.com/photo/art-business-close-up-decor-279415/

Frank Bergs
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